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Lil' Son Jackson (Fortsetzung) Teil 1 : 2 : 3
 

     ROCKIN' AND ROLLIN' war eines jener stilbildenden Lieder, die wegen der Vielzahl der Kopien im Lauf der Jahre vergessen werden: ROCK ME's, ROCK ME BABY's, ROCK AND ROLL ME's überschwemmten im Anschluß geradezu den R&B-Markt der frühen fünfziger Jahre, bis der Rock & Roll auch die weißen Mittelschichtkinder erfaßte und alles sowieso ganz anders wurde. Lil' Son Jackson hatte jedenfalls Blut geleckt, versuchte, das Riff aus ROCKIN' AND ROLLIN' mal gut, mal weniger gut selbst zu kopieren und legte sich eine ziemlich unfähig klingende Begleitband zu, mit der er auf Tournee ging und gegen Ende seiner Karriere sogar das ROCKIN' AND ROLLIN' nochmals und wieder sehr subtil und raffiniert einspielte...
     Seine größten Erfolge feierte Lil' Son Jackson aber gerade nicht mit seinem deswegen angeheuerten R&B-Outfit, sondern mit seinen Solonummern. Das Publikum liebte sein Talent, alte Textzeilen, Riffs und Melodien neu zu erfinden, neu zu kombinieren. Lil' Son Jackson war kein Originalgenie des Blues, sondern ein geradezu postmoderner Resteverwerter, der den weißen Jodler Jimmie Rodgers ebenso benutzte wie einen tiefschwarzen Big Bill Broonzy. Sein ebenso simples wie raffiniertes Spiel, die etwas hohe Stimme und die manchmal überraschenden Metaphern seiner Songs machten ihn zu etwas besonderem; seine geborgten "Eigenkompositionen" verdienten sich den selben Respekt wie die Originale. Sehr schön ist Jacksons Methode im EVENING BLUES zu hören, der mehr als nur eine vage Idee dem ST. LOUIS BLUES verdankt...
     Die späten Imperial-Solo-Aufnahmen stehen bei den Blues-Forschern zu Unrecht in einem schlechten Ruf. Zu krud, zu unfertig scheinen sie den Puristen, die nicht hören können, daß Lil' Son Jackson, ob bewußt oder unbewußt, Neuland betrat, das wir mit vierzig Jahren Abstand ruhigen Gewissens Pop nennen können, näher an den Lo-fi-Blues-Experimenten von Doo-Rag etwa als alles, was seine Zeit- und Rassegenossen damals und derzeit als Blues aufnehmen. Ein weiterer Grund, Lil' Son Jackson in diesem Pop Alphabet zu feiern.
     Bis 1956 war Lil' Son Jackson Tag für Tag in Sachen Blues unterwegs. Doch er war für dieses Geschäft nicht geschaffen. Er trank - und, was für ihn noch schlimmer war, er verlor den Kontakt zu Gott. Blues war für strenggläubige Baptisten die Musik des Teufels, und das erfuhr Jackson jetzt am eigenen Leib. Doch holte der HErr ihn rechtzeitig zurück auf den Pfad der Tugend, indem er den Fahrer des Tourwagens eines nachts einschlafen ließ und das Auto gegen einen Baum krachte. Lil' Son Jackson lag lange schwer verletzt im Krankenhaus, um anschließend das Musikerleben aufzugeben und wieder Autos zu reparieren. "Der Blues ist eine Sünde", sagte er später, "weil er andere zur Sünde verleitet."

ROCKIN' AND ROLLIN' #2

 

 

 

 

 

EVENING BLUES

 

 

 

THRILL ME BABY

 

 

 

 

GET HIGH EVERYBODY

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