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Abteilung 14 (Fortsetzung) Teil 1 : 2 : 3 : 4
  Während Mark Linkous seine Verletzbarkeit noch hinter seiner Behinderten- und Junkie-Aggressivität verbirgt, so liegt die geschundene Seele des ziegenbärtigen Häufchen Country-Rock-Elends namens Will Oldham offen zutage, mag er sich Palace Brothers nennen oder Palace Music oder Palace oder neuerdings unter eigenem Namen veröffentlichen. Oldham kombiniert die Errungenschaften der ersten Country Rocker - "If I could fuck a mountain..." - mit den verstimmten Gitarren Souled Americans und einer Singstimme, die klingt, als hätte sich Neil Young beim Salamischneiden die Finger verletzt. Wer sich als Young-Fan begreift, wird eh keine Schwierigkeiten haben mit den verschiedenen Palace-Ausprägungen: zu vertraut sind die verschlungenen Pfade zwischen "falsch" und "richtig", zwischen Song und Fragment, zwischen Country und Rock. Und schnell wird klar, daß sich hier einer - wie Young - zu den peinlichsten Dingen auf die peinlichste Weise äußern kann - ohne auch nur einen Augenblick peinlich zu wirken. Es werden Geschichten von Inzest, Schuld, Versagen ausgebreitet und mit einer hundertprozentig kongruenten Musik illustriert. Von Platte zu Platte scheint Oldham an seiner Psychoanalyse durch Pop zu wachsen und eine Looser-Macho-Attitüde anzunehmen, wo anfangs der reine Country-Wimp dominierte. Wenn diese Karriere sich ihrem Ende zuneigt, wird Will Oldham neben einigen großen Platten auch einen anderen Menschen aus sich gemacht haben - und nicht zuletzt deshalb muß 'Viva Last Blues' in unserer für alle Lebenslagen taugenden Plattensammlung stehen: der post-depressive Soundtrack. Die Gewißheit, daß nichts besser, aber alles immer anders wird.

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PALACE MUSIC
'Viva Last Blues' (1995)

 

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